Nov 19, 2015 - Allgemein    No Comments

‚Ja‘, oder ’nein‘.

‚Ja‘, oder ’nein‘. Oder meinetwegen auch ‚vielleicht‘. Aber doch bitte nicht ‚Ja‘ sagen, und dann einfach weglaufen… :-/

 

Meine Damen und Herren, es war wieder soweit: viele Monde sind seither verstrichen, seit ich die so geliebten Fesseln der Routine für einen Moment abgestreift, und mich auf unbekanntes Terrain gewagt habe.

Fazit: Ich hatte schon bessere Ideen. Nicht viele, aber ein paar durchaus.

Bekanntlich möchte so manche Dame gern ganz besonders behandelt werden. Und ich bin sehr gern bereit sowohl dieses, wie auch jedes andere Verlangen, nachhaltig und vollumfänglich zu bedienen. Bloß… Wenn es ernst wird, dann sagt so manche nicht nur nicht ‚ja‘, sondern schlichtweg gar nichts (verwertbares).

Nachfolgend ein kleiner Bericht über einen gloriosen, markerschütternden und irritierenden Feldzug zu Ehren und Bewunderung des anderen, des schönen, des anbetungswürdigen Geschlechts.

Doch lasst mich doch einfach fix am Anfang anfangen.

Die meisten Menschen begeben sich alle paar Dekaden mal in die mitfühlenden Hände einer dienstleistenden Fachkraft der Kosmetikindustrie. So auch meine Wenigkeit.

Für welche Filiale ich mich im individuellen Bedarfsfall entscheide, hängt zumeist vom Zufall ab. Im Frühling diesen Jahres fand ich mich nun in jenen Räumlichkeiten ein, in denen besagte Fachkraft mich lächelnd empfing. Hilfsbereit bugsierte sie mich ohne Warterei zu ihrem Stuhl, und deckte jene Stellen meines Körpers ab, um welche sie sich nicht kümmern würde.

Zwar liegt es mir fern mich als übermäßig kommunikativ oder gar kontaktfreudig einzuordnen, aber sich während der gesamten Behandlungsdauer von gut zehn Minuten (ja… ich bin manchmal schneller als man es mir zutrauen würde) anzuschweigen, kommt mir unhöflich und einfach unnötig vor.

Und so… Ja, so opferte ich mich bereitwillig, nach dem Startschuss ein Gespräch über ein sowohl für sie als auch für mich interessantes Thema zu eröffnen. „Welches Ihrer Piercings hat am meisten wehgetan?“

Nach meinem Ermessen recht angetan von meiner Wahl, begann sie bereitwillig und umfassend zu referieren: „Auf jeden Fall das im Zahnfleisch. Das war, im Vergleich zu allen anderen, wirklich schmerzhaft.“ Bezeichnend entblößte sie ihre schneeweiße, obere Zahnreihe zur Gänze, inklusive des angekündigten Bereiches.

Der durch das glänzende Gewebe geführte Ring war zwar winzigklein, mit einer noch kleineren Kugel an der Vorderseite, jedoch setzte er sich in ähnlichem Maße vom Hintergrund-Rot ab, wie ein Diamant im Ohr eines Schornsteinfegers.

‚Diesen‘ Schmuck dort, halb unter ihrer Lippe verborgen, hatte ich bis dato noch gar nicht gesehen. *Ach Du meine Fresse…*, war mein erster Gedanke dazu. Praktisch jeder Körperschmuck hat meiner Ansicht nach an praktisch jeder Stelle seine eigene, kleine Daseinsberechtigung. Aber ‚dort‘? Im Zahnfleisch?? Nun… Das war zumindest mal was anderes. Dass das Ding saumäßig geschmerzt haben dürfte, glaubte ich ihr allerdings auf´s Wort. Aber selbstverständlich gilt auch hier absolut uneingeschränkt mein Credo: ‚Jeder, wie er oder sie mag.‘ „Das schaut tatsächlich gefährlich aus“, erkläre ich ihr meine Überraschung aufrichtig.

„Echt? Schaut es so schlimm aus?“, lacht sie gut gelaunt.

„Ach was, nein… Ist wirklich sehr schick“, gebe ich lächelnd zurück. „Ich hoffe es gefällt… *Du hast sie höflich gesiezt, sie Dich ebenso höflich wie distanzfrei geduzt. Und nu´?* … D´ immer noch?“

*Warum tust Du euch beiden eigentlich nicht den Gefallen, einfach ein wenig harmlose, konventionelle Konversation zu führen? So, als wäre sie ein ganz normaler Mensch… Anstatt Dich an Pronomen zu verschlucken.*

„Ja, auf jeden Fall. Es hat sich auch nicht entzündet, oder so.“ Sie deutet nacheinander auf ihre restlichen, sichtbareren Körpermodifikationen. …welche von Anfang an in meinem Fokus gestanden hatten, und auf welche ich eigentlich angespielt hatte: die kleinen, runden Stecker in ihren sehr schönen Ohrläppchen. Die jeweiligen Ringe im rechten Ohrknorpel, im oberen Teil der Ohrmuschel, und in der rechten Augenbraue. Der Stecker im linken Nasenflügel, der Ring in der Nasenscheidewand, der Stein in der linken Oberlippe, der Stab in der Zunge, der Ring in der Mitte der Unterlippe, und abschließend das Subdermal zwischen ihrer Oberweite. „Ist alles komplett problemlos abgeheilt. Bis auf jenes dort.“ Sie deutet erneut auf letzteres. „Das hat anfangs nicht mitgespielt. Aber mit ein bisschen Pflege war´s schon nach ein paar Wochen wieder vollständig verheilt.

Dir würde zum Beispiel eines in der Lippe gut stehen.“

*Nach ihrem Ableben wird man die Gute nicht ‚begraben‘, sondern ‚verschrotten‘ müssen…*, denke ich mir, ohne dass es böse gemeint wäre. „Na… ich bin skeptisch, hehe. Bisher beschränke ich mich nur auf Tattoos.“ Die Temperaturen ließen problemlos eine kurze Hose zu. Meinen Pulli hatte ich bereits abgelegt. Und so hielt ich ihrer Vorlage das entgegen, was ich auf meinem eigenen Gebiet zu bieten hatte: Meinen Joker, den Darth Vader, und ´nen Schriftzug. Mein biomechanischer Arm gefiel ihr jedoch noch am besten. Optisches und massives Metall vertrugen sich scheinbar ganz gut.

Sogleich trumpfte sie allerdings auch hier weiter auf: ebenfalls mit einem Schriftzug, bislang unter ihrem schwarzen, mit Stacheln besetzten Netz-Pulli verborgen.

Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass wir beide beim gleichen Künstler, also Tattoowierer, Kunden waren. Und dass sie auf jeden Fall das bestehende Repertoire aufzustocken gedachte.

Bei allen unzweifelhaft bestehenden, optischen Reizen, hatte sie die erste, und bei weitem ausschlaggebendste, Sympathie-Hürde bei meiner bescheidenen Wenigkeit jedoch längst über einen ganz anderen Pfad sehr galant gelöst: Ihre Aussprache, das verwendete Vokabular, und die vollständige und fehlerfreie Satzstellung suchten ihresgleichen. *Du liebes bisschen…*

Und dann war unser erstes Treffen auch schon wieder vorbei.

Und diese reizende junge Dame blieb eine ganze Weile in meiner Erinnerung präsent.

Stillschweigend sehnte ich den Tag erneuten Bedarfs kosmetischer Herrichtung herbei.

Niemals fiele es mir jedoch ein, eine Behandlung speziell bei meiner heimlichen Favoritin als Antwort auf die entsprechende Frage bei meiner dortigen Ankunft hervorzubringen. Das käme rüber, als traute ich dem restlichen Personal nicht die Kompetenz zu, einen Kurzhaartrimmer fachgerecht zu verwenden.

Und doch wurde mir das Vergnügen ihrer Gesellschaft zuteil; wieder und wieder.

Über Wochen und Monate tauschten wir uns recht regelmäßig aus, bei weiterhin wachsendem Interesse meinerseits. Wobei ich mich, nach meiner anfänglichen Initiative, nun eher zurückhielt. Ich genoss es viel zu sehr, Madame´s unterhaltsamen Ausführungen über Dies und Das in ihrem unverwechselbaren Tonfall und begehrenswerten Gebaren genießerisch und mit dem bloßen Wunsch nach Mehr zu lauschen. Währenddessen beschränkte ich michselbst meist darauf, höflich und verständnisvoll zu nicken, und sie und ihre Entscheidungen und Ansichten im Verlauf ihrer Erzählungen nachdrücklich zu unterstützen.

Selten war ich bis dahin einer Monologistin derart verfallen, wie in diesem, ihrem Fall.

Zwar bemühte ich mich währenddessen vehement zu vermeiden, die restlichen Punkte meines bescheidenen Anforderungskataloges der unumgänglichen Voraussetzungen für alles, was es zwischen beiden Geschlechtern sonst noch so gibt, bei ihr zur Anwendung zu bringen, aber: Mann ist ja auch nur ein Mensch :-/

Der wichtige zweite Punkt sind beispielsweise zwei, gern überdurchschnittlich-große, ansehnliche, repräsentative und appetitanregende.. Vorräte an den essentiellen Grundnahrungsmitteln ‚Kaffee(pads)‘, und ‚Milch mit maximalem Fett- und Geschmacksgehalt‘. Bei ihr daheim, natürlich. Ohne die Gewissheit um das Vorhandensein jener Zutaten besteht kaum eine brauchbare Basis, mir über einen etwaigen Besuch in ihrem Domizil Gedanken zu machen, denn: ich brauch meinen Kaffee. Nachmittags, und abends, und morgens, und… dazwischen auch.

Nummer Drei bezieht sich selbstverständlich auf ihre Vorlieben. In kulinarischer Hinsicht; und zwar zu Meeresfrüchten. Sollte sie keinen Fisch mögen, wäre das.. unvorteilhaft.

Vernachlässigbarere Kleinigkeiten, wie es zum Beispiel um ihre Familienplanung bestellt ist, ob sie Linkshänderin ist², wie oft und gewissenhaft sie sich die Hände wäscht, ob ihre Handschrift von annehmbarem Schwung und akzeptabler Güte ist, sie geleerte Getränkeflaschen direkt zu ersetzen neigt, benutztes Besteck einfach so auf der Spüle ablegt (oder es nach Möglichkeit direkt in den Geschirrspüler einräumt), sie den Deckel akkurat auf die Zahnpastatube zurückschraubt, sie mit völlig unangebrachter Gewalt auf die Tasten einer Tastatur einzuhämmern pflegt (sobald etwas nicht funktioniert, weil das Plastik natürlich die Hauptschuld trifft), sie ihre Sachen in die Reinigung zu bringen pflegt (oder sie mir haushaltstechnisch insofern etwas voraus hat, alsdass sie ihre Wäsche eigenhändig zu waschen vermag), sie ihre Kaffeetasse ausschließlich auf Untersetzern abstellt,…

All diese Kleinigkeiten hatten noch Zeit.

²: (was ich bei aller Mühe nicht zweifelsfrei erkennen konnte [und mich nicht zu fragen traute]. Falls ja, würde das Punkt Drei etwas ausdünnen, und Punkt Zwei… Nun, Punkt Zwei ist nunmal unumgänglich, unabhängig von allem was sie sonst kann oder mag.)

Ich beschloss, meine detektivischen Kompetenzen nicht unnötig überzustrapazieren, und stattdessen jene Fragen (zumindest ein paar davon) im Rahmen eines gemütlicheren Zusammentreffens zu erläutern. Einem, bei dem wir möglichst beide sitzen konnten, und länger Zeit hatten als die obligatorischen zehn Minuten. Also Gesetz dem Fall, dass sie überhaupt Lust zu einem solchen hätte.

Und falls tatsächlich gar nichts so recht übereinstimmen wollte, dann war das halt so.

Aber in jedem Fall war ich unheimlich neugierig auf die Person hinter den Piercings, und diesen faszinierenden, fesselnden und verführerischen Verlautbarungsfähigkeiten.

Schweren Herzens warf ich meine eigenen Prinzipien also ausnahmsweise über Bord. Um mich zähneknirschend in die Riege derer einzureihen, die eine Dame aus diesem Dienstleistungssektor fragen, was sie denn nach der Arbeit noch so trieb, eventuell treiben würde, oder zu treiben gedachte.

Allerdings würde ich diese Frage keinesfalls im Rahmen des routinierten Trimmens stellen. Denn falls sie meine Idee bezüglich Kaffee / Abendessen für wenig reizvoll halten sollte, was schade aber okay wäre, würde die restliche gemeinsame Zeit für mich eher unangenehm werden.

Eines sonnigen Abends machte ich mich sodann auf den Weg, meinem Schicksal einen kleinen Anstoß zu verpassen.

Mit meinem Glückskugelschreiber gewappnet, und auf eine Menge möglicher Antworten gefasst.

Kaum hatte ich die Filiale mit gemischter Gefühlswelt betreten, erklärte mir eine freundliche Kollegin, dass der Laden bald schließen würde; immerhin war ich recht spät aufgebrochen und eingetroffen. Nämlich um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die metallbewährte Madame gerade keine Kundschaft hatte, falls sie an diesem Tag überhaupt Dienst schieben würde.

Ebenso höflich antworte ich ihr, dass mich heute mal kein herkömmliches Anliegen auf ihre Fliesen getrieben hatte, sondern es etwas „wesentlich Besonderereres“ zu klären gab (das hab ich wirklich so gesagt; weil ich vor lauter Nervosität gestottert hab).

Und zu meinem Leidwesen war die Gesuchte nicht nur anwesend, sondern auch verfügbar, und trat in diesem Moment zu uns herüber.

„Hey, Du bist ja schon wieder da. Wir haben uns doch erst Anfang der Woche gesehen. Stimmt was nicht 🙂 ?“

„Oh nein, nein, alles bestens… Sag, stör ich grad?“

„Nein, keineswegs. Was kann ich für Dich tun?“

In diesem Augenblick wird mir schmerzlich bewusst, dass ich das Haus in meinem bequemen Alltags-Wohlfühl-Outfit verlassen hab: unrasiert, mit Chucks, Tarnhose, Shirt und Pulli. Alles vom Zahn der Zeit asymetrisch angefressen, und offenkundig an der Grenze zu einer besseren Welt angelangt. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen kannte sie mich zwar auch nicht anders, aber diese Vorbedingungen waren meinem Streben nach Seriösität trotzdem nicht unbedingt dienlich. *Verdammt!* „Äh…“ Auf der Suche nach Trost und der richtigen Einleitung, lasse ich die Mine meines Kulis herausschnappen, und merke, wie ich mir dabei die Finger anmale. „Wir haben uns ja schon ein paar Mal unterhalten. Und… das hat mir ganz gut gefallen, und… Lust auf mehr gemacht. Hättest Du… vielleicht mal Lust auf einen gemeinsamen Kaffee? Oder auch ein Abendessen?“

Ihre nette Kollegin schaut ebenso neugierig und erwartungsvoll zu der Befragten hinüber, wie ich es tue; allerdings vermutlich mit weniger Brechdurchfall-verursachender Panik angefüllt, als das bei mir der Fall ist.

Keine einzige ablehnende Antwort hätte mich überraschen können, und es wäre absolut okay gewesen. ‚Ich bin liiert.‘, ‚Danke, aber kein Interesse.‘, ‚Bei mir ist´s eher schlecht, weil E.T. beim Radeln übel geworden ist, und Elliot und er vorhin ersatzweise mein Auto geklaut haben.‘ Was man halt so kennt.

„Hm… Heute ist´s eher schlecht.

Wie wär´s, wenn Du morgen Nachmittag nochmal reinschaust? Dann schau ich wann ich Feierabend machen kann, und wir machen was aus.“

*Du liebes bisschen… Das funktioniert wirklich.* „S-sicher, nur zu gerne.“ Ich mache mir beinahe die abgetragene, zerrissene, mit Brandlöchern durchsetzte Hose nass, als das Adrenalin aus allen Regionen zugleich abfließt. „Ok… Okay, gut, super, ja, gern, dann sehen wir uns morgen.“

Ohne mir nach außen hin etwas anmerken zu lassen, breite ich beim Rausgehen meine Siegesschwingen derartig aus, dass ich Acht geben muss damit überhaupt noch durch die Doppeltür zum Parkplatz hinaus zu passen.

Einen Tag später gestalte ich mein Äußeres einen Schuss zivilisierter und menschlicher: Frisch rasiert tue ich mir die Enge meiner einzigen Jeans an. Die hat zwar ebenfalls Löcher, allerdings hatte in diesem Fall der Hersteller bereits diese Idee, und demnach dürfte das so seine modische Richtigkeit haben.

Bereits von weitem kann ich durch das Ladenfenster meine Zielperson ausmachen, und stürme, mit meinem erfahrenen Glückskuli im Anschlag, den Laden erneut.

Also… Entweder macht mein mit Mühe aufrechterhaltenes, heruntergekommenes Äußeres den Großteil meines bescheidenen Charmes aus,,,, oder Frauen sind manchmal ein ganz klein wenig… wankelmütig.

Denn kaum trat ich lächelnd ein, wünschte den Anwesenden höflich Moin Moin, und winkte meiner Favoritin vorsichtig grüßend zu, nimmt diese in Panik Reißaus, und flieht hakenschlagend in den abgetrennten Privatbereich.

Meine verbliebene Gesellschaft besteht unter anderem aus derselben Kollegin, die gestern schon neben uns gestanden hatte. Mit ähnlich viel Ratlosigkeit im Gesicht, wie bei mir zu finden ist. „Ähm, hi. Was kann ich für Dich tun?“

„Ei…gentlich hatte ich die Absicht, die junge Dame [in Richtung der Verschwundenen deut´] zum Essen einzuladen“, wiederhole ich meinen und uns beiden gleichermaßen bekannten Plan.

„Richtig, ja. Soll ich… [Name] mal fragen was los ist…?“

Ich, ähnlich planlos wie die Hilfsbereite, nicke unbestimmt. „Das wäre wirklich sehr freundlich von Ihnen.“

Momente später ist sie zurückgekehrt, und wir haben eine Lagebesprechung. „[Name] hat grad Pause, sagt sie, und darf währenddessen keine Kundschaft bedienen.“

*W-wa…? Weder bin ich ein Kunde, noch möchte ich, technisch gesehen, bedient werden. Alles klar, macht Sinn.* „Ah. Ok, danke.

Äh… Soll ich dann später nochmal wiederkommen…? Oder. eher. nicht.?“

Frau Kollegin zuckt mit den schmalen Schultern, spendet mir aber etwas Mut. „Kann vielleicht nicht schaden. Keine Ahnung was sie hat. Komm einfach später nochmal rum.“ Offenkundig kann sie die Reaktion der Geflohenen ebenfalls nicht recht nachvollziehen.

„O… kay. Danke vielmals.“ Mit, diesmal gänzlich andersartig, gemischten Gefühlen verlasse ich das Geschäft unverrichteter Dinge. Und vor allem außerstande einzuschätzen, ob eine spätere Rückkehr, –nach der Pause–, eine gute Idee ist.

*Kaum hält man sich mal ganz kurz nicht an die eigenen Regeln, hält sofort das Chaos Einzug.*

Höchste Zeit für einen Kaffee.

Einen solchen erstehe ich in einem nahegelegenen Fachgeschäft, und genieße ihn innerhalb von schlanken zwanzig Minuten weg; während mein Interesse an dieser so interessanten Frau langsam schwindet. Sie drückt sich schön aus, ist schön, und dazu schönbar nicht ganz dicht. *Was für ein fruchtbares Fundament.*

Im direkten Anschluss nehme ich unschlüssig Fahrt für eine zweite Eroberung auf, und stürme den Laden wissbegierig ein letztes Mal.

Madame hat sich von ihrer Pause erholt, und empfängt mich diesmal persönlich.

„Hey… Hallo. Hast Du kurz Zeit?“

„Bin grad beschäftigt“, gibt sie überraschend patzig und distanziert zurück.

*Was zum…? Was ist denn los??* „Hast Du noch Lust auf´s Abendessen? Oder ist´s eher schlecht?“, dürstet es mich nach Klärung.

„Ich hab gleich Feierabend.“

Jede Kneifzange hätte ihrem Tonfall und Auftreten entnehmen können, dass sich jegliche gemeinsame Aktivität erledigt hatte. „… und den verbring ich zu Hause.“

*Dann mach doch!* „Oh… key.“ In der Hoffnung irgendwas überhört, falsch verstanden, oder missinterpretiert zu haben, vergewissere ich mich: „Dann sehen wir uns wie gewohnt so in ein, zwei Wochen…?“

„Ja.“

*Pff…* „Nun, dann ein schönes Wochenende von meiner Seite.“

„Dir auch“, gibt sie zurück, und lässt mich stehen.

Weil es mir unangenehm wäre, suche ich das Enterblissement seitdem aber nicht mehr auf.

Dass die Verabredung geplatzt ist, ist zwar schade, aber vermutlich auch besser so. Andere Mütter haben mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls wort- und zungengewandte Töchter.

‚… and so the search goes on…‘

Wie auch immer das Ergebnis irgendwann mal ausschauen sollte: an dieser Stelle erstmal vielen Dank für eure Aufmerksamkeit 🙂

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