Sep 16, 2012 - Allgemein    No Comments

„Ich glaub ich geh ´ne kurze Runde joggen…“

Freunde, ihr kennt das:

Man will seinem Körper was gutes tun und sich sportlich betätigen. Führende Mediziner behaupten hartnäckig, dass Bewegung den körperlichen Verfall verlangsamt. Überraschung: Falten im Gesicht sind nicht das einzige was dich alt aussehen lassen kann.

Ich mache mich, fernab meiner sonstigen Gewohnheit, zu Fuß auf den Weg hinaus aus meinem Wohngebiet. Ich überquere die Hauptstraße mit wachem Blick, einer meiner wenigen Sinne auf die ich mich, Kopfhörern sei Dank, noch verlassen kann.

Routiniert schlage ich den Weg entlang des Fußballplatzes ein, trimme mich über dessen Parkplatz und sehe aus den Augenwinkeln zufällig zwei Mädels auf Fahrrädern am Wald entlangfahren. Ich beachte sie nicht weiter, denn da ich mein Shirt noch trage, muss ich den Bauch diesmal nicht einziehen.

Ich biege in meinen Waldweg ein und passiere locker die erste Kurve. Langsam wird mir warm und ich begebe mich mich wie immer hinab auf den schmutzigen Waldboden, Liegestützen stehen an. 30 auf dem einen Bein, die anderen 30 auf dem anderen. Nach 45 Wiederholungen fühle ich ziemlich deutlich wie langsam die Kräfte schwinden. Was macht der geneigte Hochleistungssportler? Right: er führt die Bewegung, unter Höllenqualen leidend, fort. Wie kompensiert er das konditionelle Defizit? Richtig: indem er eine verblüffend überzeugende Imitation des Paarungsrufes eines gewissen Waldtieres hervorstößt („Eichhörnchen“ ist die falsche Antwort). Da sich der Sportler unbeobachtet, und vor allem ungehört, wähnt, nimmt er wenig Rücksicht auf eventuelle Verfolgerinnen.

… die aber postwendend hinter ihm auftauchen O.O

Beide Fraktionen stutzen kurz, doch die Damen fahren mittelmäßig ungerührt weiter ihres Weges. Bis hierhin war noch alles in Ordnung. Die Mädels fahren vorrüber und hatten nichts als einen agilen Sportler gesehen, der dabei war sein Fitnesspensum zu erfüllen. Wie oft sieht man einen hingebungsvollen Sportler, der trotz gequälter Tiergeräusche… aufhört? Richtig, nie. Zumindest nicht gleich. Und wenn doch, dann höchstens auf Waldwegen. Auf diesem zum Beispiel.

Denn kurz darauf hören die Räder bereits wieder auf sich zu drehen und die Fahrerinnen schauen erwartungsvoll zurück. Mutter und Tochter sind mit Anhang unterwegs. Mit ´nem Mops. Dieser sitzt unweit unseres liegestützenden Sportlers entfernt und starrt mit dem skeptischsten Blick den sich je ein Köter hat einfallen lassen zu dem keuchenden Zweibeiner hin, der in krummem Winkel vor ihm im Dreck liegt. Mutter und Töchterchen warten geduldig auf das hechelnde Haustier, ihre Blicke wandern vom knurrenden Anhängsel auf den knüppelnden Athleten und zurück.

Der Sportliche hat seine Glanzleistung, dank versiegender Körperkräfte, erfolgreich abgebrochen und macht sich auf seinen Weg fortzusetzen. Der Bettvorleger nimmt auf den krummen Kackstelzen ebenfalls Fahrt auf. Die Turnschuhgeschwindigkeit wird erhöht, es wird geprüft ob der Flohzirkus mithalten kann. Erfreulicherweise ist das nicht der Fall.

Triumphierender Schweiß rinnt über das erleichterte Gesicht unseres tapferen Recken, als er so den Ausgleich erzielen kann:   Bloßstellung  konditioneller Defizite   –    Überlegenheit in punkto Geschwindigkeit =   1 –  1

Ein ganz normaler Tag auf meinem Waldweg.

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